Zwischen Business, Familie und eigenen Erwartungen geraten viele Unternehmerinnen in einen Dauerlauf, der sich irgendwann nur noch anstrengend anfühlt. Obwohl vieles „gut läuft“, bleibt wenig echte Leichtigkeit übrig. Lisa zeigt in ihrem Gastbeitrag, warum es nicht mehr Disziplin braucht – sondern ein neues Verständnis von Leistung:
Smart statt erschöpft: Unternehmerinnen brauchen nicht mehr Disziplin, sondern smarte Performance im Business
Warum sich viele Unternehmerinnen trotz wachsendem Erfolg dauerhaft unter Druck fühlen
Es ist Montag 08:30 Uhr. Gerade komme ich aus dem Kindergarten zurück, wo ich meine Tochter in Betreuung gegeben habe. Der Tag fühlt sich schon lange an, obwohl mein Arbeitstag noch nicht mal begonnen hat. Ich habe schon einen emotionalen Ausbruch meiner Tochter begleitet, Jausenbrote geschmiert, im Badezimmer zum Zahnputzsong getanzt und alle notwendigen Kuscheltiere ins Auto bugsiert. Nun wieder zu Hause. Schnell durch die Wohnung rasen. Das schmutzige Geschirr vom Frühstückstisch räumen. Den Staubsaugroboter starten. Nebenbei meine E-Mails checken. Mich gedanklich auf meinen Arbeitsmodus und den ersten Call vorbereiten. Warum bin ich nochmal so erschöpft?
Und genau hier beginnt das eigentliche Spannungsfeld vieler Unternehmerinnen.
Es war noch nie so einfach, ein Unternehmen zu gründen und Geld zu verdienen. In unserer digitalen Businesswelt haben wir fast unbegrenzte Möglichkeiten: neue Geschäftsmodelle, neue Märkte, neue Formen der Zusammenarbeit. Und gleichzeitig war es noch nie so herausfordernd, das eigene Unternehmen nachhaltig zu führen und langfristig erfolgreich zu sein.
Zum Glück entscheiden sich auch immer mehr Frauen bewusst für den Weg in die Selbstständigkeit und starten diesen Weg mit einem großen Wunsch im Gepäck: Freiheit, Selbstbestimmung und eine bessere Vereinbarkeit von Business und Familie.
Ich habe gerade die aktuellen Zahlen der WKO Gründungsstatistik von Januar 2026 vor mir liegen. 58 Frauen gründen jeden Tag ein Unternehmen in Österreich und viele Unternehmerinnen sind erfolgreich. Sie bauen starke Marken auf, begleiten Kund:innen wirkungsvoll und gestalten ihr Business mit viel Leidenschaft. Etwas, auf das wir kollektiv, aber auch du und ich ganz persönlich als Unternehmer:innen sehr stolz sein können.
Doch Erfolg hat für viele auch einen hohen Preis. Ein „Always on“ und nie abschalten können. Zum Beispiel wenn dein Kopf während der Einschlafbegleitung mit deinem Kind noch rattert und du dir denkst „Bitte schlaf endlich ein, ich muss noch so viel erledigen“.
Oder den Kloß im Hals und deine verspannten Schultern, wenn du daran denkst, dass du auch in Zukunft mit deinem Business erfolgreich sein musst.
Und plötzlich ist nur mehr wenig übrig von der Freiheit im Kopf und im eigenen Leben, die man sich so sehr gewünscht hat.
Denn der Business-Alltag ist noch schneller geworden. Wir werden laut einem Bericht von Microsoft alle 2 Minuten durch Notifications, E-Mails, Ad-Hoc-Meetings, Chats und Calls unterbrochen. Überleg mal: alle 2 Minuten.
Zudem haben wir als Selbstständige und Unternehmer:innen viele Rollen gleichzeitig. Marketing-Content Creator? That’s me! Produktentwicklung? That’s me! Head-of-Sales? That’s me! Projektumsetzung? Kurz überlegen – that’s me!
Zusätzlich kommt noch der innere Anspruch dazu. Glaubenssätze wie „Das muss perfekt sein.“, „Ich muss funktionieren.“, „Ich muss liefern.“, „Ich muss alles im Griff haben.“, „Das kann nicht warten.“ begleiten uns Frauen häufig.
Und um dem gerecht zu werden, reagieren viele Unternehmerinnen reflexartig mit dem, was sie am besten können: noch ein bisschen mehr durchhalten. Noch effizienter werden. Noch mehr Stunden investieren.
Hustle ist keine nachhaltige Strategie
Die Hustle-Kultur hat uns lange vermittelt: Wer erfolgreich sein will, muss bereit sein, alles zu geben.
Und dabei bloß keine Aufträge ablehnen und nein zu Kund:innen sagen. Alles selbst können und machen zu müssen. Pausen und Auszeiten sind Luxus, die man sich ab und zu „gönnt“. Beschäftigt sein ist ein Statussymbol. Instagram und Tiktok sind immer noch voll davon.
Es wird Zeit, dass wir unsere Definition von Erfolg und Leistung hinterfragen. Und genau das ist mein Ziel. Ich möchte Menschen dabei helfen, smarter anstatt härter zu arbeiten.
Meine persönliche Erfahrung: Mehr Disziplin löst nicht jedes Problem
Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen. Ich liebe Struktur und Organisation und auch wenn ich gerne flexibel bin, mache ich noch lieber Pläne. Ich arbeite mit klaren Fokuszeiten. Ich nutze Workmanagement-Tools. Ich plane Projekte strategisch. Struktur ist seit Jahren mein Zuhause.
Seit meine Tochter geboren wurde, hat sich mein Alltag und natürlich auch mein Businessalltag als Unternehmerin nochmal grundlegend verändert. Abgesehen davon, dass einfach weniger Kapazitäten für das Business zur Verfügung stehen, ändern sich Pläne. Ständig. Strukturen dürfen ständig neu gedacht werden. Ein scheinbar normaler Arbeitstag dreht sich einmal um 180 Grad, sobald das Kind krank ist. Oder andere 500 nicht vorhersehbare Dinge passieren, weil es schon vor Arbeitsbeginn Wut und Tränen gibt oder einfach noch eine extra Portion Kuscheln benötigt wird. Alle Mamas werden mir zustimmen. Pläne reichen nicht mehr. Maximale Flexibilität ist dann die Erfolgsstrategie. Doch gar nicht so einfach, wenn gleichzeitig das Gefühl besteht, immer und überall hinten nach zu sein und nie genug Zeit zu haben.
Genau das musste ich erst lernen. Mein erster Impuls als Reaktion auf wenig Zeit und konstante Veränderung in meinem Business war:
Ich muss einfach noch disziplinierter werden. Noch effizienter planen. Noch schneller entscheiden. Noch mehr erledigen in kürzerer Zeit und ich habe daher noch mehr gehustlet.
Eine Zeit lang hat das sogar funktioniert. Doch innerlich war ich echt frustriert und an meinen Grenzen. Ich war permanent angespannt. Müde. Gedanklich nie wirklich „aus“ und schon gar nicht im Moment. Manche Momente mit meiner Tochter konnte ich nicht richtig genießen, weil ich mit meinem Kopf ganz woanders war und ganz ehrlich: das hat mich echt traurig gemacht. Ich habe versucht, fehlende Energie durch noch mehr Leistung zu kompensieren. Aber irgendwann habe ich mich gefragt: „Lisa, was ist deine Definition von Erfolg und Leistung?“ Das kann es doch nicht sein.
Was ich total vernachlässigt habe, waren Pausen und Zeit für die körperliche und mentale Regeneration. Phasen, in denen auch mein Kopf zur Ruhe kommen kann und mein Nervensystem wieder 5 Gänge runterschalten darf. Wo ich die Momente – sowohl als Mama als auch im Business – genießen kann.
Das muss doch anders gehen und ja, das tut es.
Struktur, Fokus und Disziplin sind wichtig, aber sie funktionieren nicht ohne den notwendigen Ausgleich. Dazu zählen Basics wie ausreichend Schlaf, Bewegung und gute Ernährung genauso, wie Dinge, die nicht „sinnvoll“ sind, sondern einfach nur Spaß und Freude machen.
Erst als ich begonnen habe, Erfolg und Leistung für mich neu zu definieren, hat sich etwas verändert. Ich habe aufgehört, noch disziplinierter zu sein und nach noch mehr Kontrolle zu streben.
Ich habe wieder viel mehr Freude an meinen Rollen sowohl im Business als auch privat und liebe das, was ich tue. Ich bin mehr im Moment und zufriedener. Und dabei produktiver als je zuvor.
Was smarte Performance bedeutet
Unsere Vorstellung von Leistung und Erfolg braucht ein Upgrade. Das alte Betriebssystem „ich muss viel leisten“ hat ausgedient.
Smarte Performance bedeutet, Leistung bewusst zu gestalten. Leistung bringen zu wollen ist nicht das Problem, aber dauerhaft zu hustlen schon.
Smarte Performance ist eine optimale Zusammensetzung aus unserer inneren Einstellung gegenüber Leistung und Erfolg, strukturiertem und effektivem Arbeiten und einem Umfeld, das Performance unterstützt.
Wir schauen uns die 5 Elemente von smarter Performance gleich näher an.
Die fünf Elemente smarter Performance im Business
1 Stresskompetenz und innere Struktur
Wer seine eigene Leistungsfähigkeit langfristig erhalten und Resilienz aufbauen möchte, muss das Prinzip von Stress verstehen.
Stress an sich ist nicht schlecht. Du kannst dir Stress vorstellen wie Geld. Geld ist ebenfalls neutral und du kannst Geld in dich und deine Zukunft investieren oder unnütze Dinge kaufen. So ist es auch mit Stress. Stress ist ein Mechanismus, der uns beschützt. Doch chronische Anspannung ohne Ausgleich führt dazu, dass Fokus, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit abnehmen, wir ausgebrannt sind und chronischer Stress kann negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.
Als Unternehmer:in solltest du daher wissen:
- Wann bin ich am leistungsfähigsten?
- Was brauche ich, um nach stressigen Phasen wieder runterzukommen?
- Wie kann ich mein Stresslevel erkennen und damit arbeiten?
2 Digitale Arbeitsstruktur als Performance-Grundlage
Tools und Struktur alleine sind nicht die Lösung. Aber: Leistung braucht ein äußeres System. Eine klare digitale Arbeitsumgebung reduziert deine mentale Belastung. So, wie uns ein voller Schreibtisch vom Wesentlichen ablenkt, ist es auch mit chaotischen Zuständen, wenn es um unsere Ideen, Gedanken, Notizen und Aufgaben in digitalen Tools geht.
Ein zentrales Tool-Zuhause für Aufgaben, Projekte und Ideen schafft Überblick, Struktur und damit Sicherheit, die uns auch innerlich ruhiger macht.
Denn es fühlt sich richtig gut an, wenn du dir jederzeit folgende Fragen beantworten kannst und das reduziert innerlichen Stress:
• Woran arbeite ich gerade?
• Woran arbeiten andere im Team?
• Was ist wirklich wichtig?
• Welche Entscheidungen stehen an?
• Welche Termine darf ich nicht übersehen?
3 Dein optimaler Leistungsrhythmus statt Dauerleistung
Viele Unternehmerinnen versuchen, konstant auf hohem Niveau zu performen.
Doch Leistung funktioniert in Zyklen.
Wie im Sport braucht es Phasen intensiver Aktivität, die sich mit Phasen der Regeneration abwechseln. Wer sieben Tage die Woche ohne Pause trainiert, wird nicht leistungsfähiger. Der Körper zieht irgendwann die Notbremse.
Im Business ist es genau gleich. Peak-Phasen dürfen intensiv und auch stressig sein. Doch nach einem anstrengenden Produkt-Launch, einem intensiven Kundenprojekt oder einer richtig vollen und herausfordernden Arbeitswoche braucht es Pausen und Erholung.
4 Zusammenarbeit statt isolierter Verantwortung
Smarte Performance ist selten ein Solo-Projekt. Erfolg entsteht nicht nur aus deiner eigenen Leistung, sondern auch daraus, wie gut du dir Unterstützung organisierst.
Das gilt sowohl für die Zusammenarbeit im Business als auch für dein privates Unterstützungssystem wie Partner:innen, Großeltern, Kinderbetreuung, Hilfe im Haushalt, Mobilität und so weiter.
Außerdem profitieren Unternehmerinnen davon, Verantwortung zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Nicht alles allein schaffen zu müssen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Notwendigkeit für nachhaltigen Erfolg.
5 Wertorientiertes Arbeiten statt Stundenlogik
Viele Geschäftsmodelle sind noch immer stark von industriellen Denkmustern geprägt. Zeit gegen Geld und Beschäftigung als Leistungsnachweis.
Doch unternehmerischer Erfolg misst sich nicht in Stunden, sondern im Impact.
Wer Entscheidungen datenbasiert trifft, Prozesse automatisiert und seine Energie auf wertschöpfende Aktivitäten fokussiert, arbeitet nicht weniger engagiert, sondern intelligenter. Dadurch passieren – hoffentlich – Dinge schneller und effizienter. Vermindert sich der Wert dadurch noch? Nein, dieser erhöht sich sogar. Immerhin sparen wir auch anderen Menschen dadurch Zeit und Energie.
Warum jedes Business heute eine digitale Basis braucht
Unsere Arbeitswelt bewegt sich bei fast allen irgendwo zwischen physischer und digitaler Realität.
Digitale Netzwerke, hybride Zusammenarbeit und eine digitale Identität machen strukturierte Systeme für unsere Business-Prozesse und Aufgaben unverzichtbar.
Daher ist ein Workmanagement-Tool für fast alle Unternehmer:innen eine wichtige digitale Basis. Darin werden Aufgaben und Projekte abgebildet, Business-Prozesse definiert und auch verknüpft (z. B. aus einer Anfrage über ein Formular auf der Website wird automatisch eine Aufgabe zur Bearbeitung oder eine automatisierte Antwort an die Kundin erstellt).
Außerdem schaffen die Tools Transparenz, einen guten Überblick, entlasten dich mental und sind eine entscheidende Basis für jede weitere Richtung der Automatisierung. In Kombination mit KI entstehen neue Möglichkeiten, Routineaufgaben zu reduzieren, kreative Prozesse zu unterstützen und schneller zu guten Entscheidungen zu kommen.
Erfolgreich sind nicht die, die am härtesten arbeiten
Als Unternehmerinnen brauchen wir vor allem eines: den Mut, unsere Definition von Leistung neu zu denken.
Nicht permanente Anstrengung führt zu nachhaltigem Erfolg. Sondern die Fähigkeit, Leistungsfähigkeit bewusst zu gestalten und achtsam mit unseren eigenen Ressourcen sowie denen der anderen umzugehen.
Und vielleicht sieht smarte Performance an einem Montagmorgen für dich so aus:
Dass du nach dem Kindergarten nicht sofort losrennst. Sondern kurz stehen bleibst. Durchatmest. Und dich fragst:
Wie will ich heute wirklich arbeiten?
Nicht erschöpft. Sondern bewusst.
LISA RIEMELMOSER
Lisa begleitet Unternehmer:innen und Selbstständige dabei, mehr Klarheit, Struktur und Leichtigkeit in ihren Businessalltag zu bringen. Ihr Fokus liegt auf smarter Performance: einer Arbeitsweise, die ambitionierte Ziele ermöglicht, ohne dabei Gesundheit, Familie oder Freude am Tun zu verlieren.
Als Expertin für Workmanagement-Tools, Stresskompetenz und moderne Zusammenarbeit zeigt sie, wie nachhaltiger Erfolg entstehen kann. Mit klaren Systemen, bewussten Entscheidungen und einem guten Gespür für die eigenen Ressourcen.
Als Unternehmerin und Mama bewegt sie sich selbst täglich zwischen Fokuszeiten, Kuscheleinheiten und großen Visionen.





