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Elternschaft hat dich kompetenter gemacht – von Franziska Gattringer

März 31, 2026 | Allgemein, Business Moms schreiben - GASTbeitrag

Rund um Karenz und Wiedereinstieg verändert sich oft mehr, als man auf den ersten Blick sieht, oft ganz leise und nebenbei. Plötzlich fällt es leichter, Prioritäten zu setzen, den Überblick zu behalten und auch in turbulenten Phasen ruhig zu bleiben. Und doch fehlt oft die Sprache dafür, was sich da eigentlich entwickelt hat. Franziska Gattringer macht in ihrem Gastbeitrag genau diese Kompetenzen sichtbar und zeigt, warum sie für die Arbeitswelt so wertvoll sind:

Elternschaft hat dich kompetenter gemacht.

Gemeinsam machen wir das sichtbar.

von Franziska Gattringer

Acht Wochen nach der Geburt meines Sohnes habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Nur ein paar Stunden die Woche, geringfügig, aber genug um etwas zu bemerken, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat.

Ich war effizienter geworden. Organisierter. Ich konnte besser priorisieren, schneller entscheiden, ruhiger bleiben wenn es eng wurde. Nicht trotz des Babys zu Hause, des Schlafmangels, der neuen Verantwortung, sondern irgendwie genau wegen allem davon.

Ich erinnere mich, wie ich damals über diese Beobachtung nachgedacht habe. Geht es anderen Müttern auch so? Entwickeln wir durch die Elternschaft Fähigkeiten, die uns beruflich stärker machen, und wenn ja, warum spricht dann kaum jemand darüber?

Diese Frage hat mich so beschäftigt, dass ich sie nicht mehr loslassen konnte. Als ich dann meine Masterarbeit schreiben musste, war für mich schnell klar: Genau das wollte ich wissenschaftlich untersuchen.

Was die Forschung zeigt

Die zentrale Frage meiner Studie lautete: Welche Soft Skills entwickeln oder vertiefen Frauen durch die Mutterschaft, wie relevant sind diese für die moderne Arbeitswelt und wie werden sie innerhalb von Organisationen gesehen und strategisch genutzt?

Ich habe 254 Mütter in Österreich befragt. Die Antwort war eindeutig.

Mütter haben sich genau in jenen Soft Skills sehr gut eingeschätzt, die von Führungskräften als besonders wertvoll gesehen werden: Kommunikation, Belastbarkeit, Priorisierung, Organisation und Zeitmanagement, Problemlösefähigkeit und Empathie.

Und jetzt kommt das Paradoxe. Alle reden von Future Skills, von den Soft Skills, die in der Arbeitswelt den Unterschied machen. Aber die wenigsten Unternehmen erfassen oder nutzen diese Kompetenzen strukturiert, schon gar nicht wenn sie durch Elternschaft erworben wurden.

Das Vorurteil und die Wahrheit

Eine Mutter muss im Jahr 2026 immer noch mit Vorurteilen leben. Nicht belastbar. Nicht flexibel. Nicht mehr ambitioniert. Kaum noch verfügbar.

Meine Studie zeigt: Das stimmt nicht.

Mütter sind belastbar, ambitioniert und leistungsfähig. Was sie brauchen, sind nicht weniger Erwartungen, sondern die richtigen Rahmenbedingungen, um ihr volles Potenzial entfalten zu können.

Und trotzdem erlebe ich in meiner Arbeit immer wieder dasselbe Muster: Mütter, die sich entschuldigen. Die ihre Karenzzeit kleinreden. Die sich verhalten, als hätten sie etwas zu verstecken.

Dabei ist das Gegenteil wahr. Ihr habt nichts zu verstecken. Ihr habt nichts kleinzureden. Ihr bringt etwas mit, das Arbeitgebende dringend brauchen.

Warum Elternkompetenzen unsichtbar bleiben und was dagegen hilft

Der Grund, warum diese Kompetenzen so oft unsichtbar bleiben, hat zwei Seiten.

Auf der einen Seite steht die fehlende Sichtbarkeit. Elternschaft ist informelles Lernen. Es gibt keine Zertifikate, keine Zeugnisse, keine Einträge im Lebenslauf. Das bedeutet nicht, dass nichts gelernt wurde. Es bedeutet, dass die Kompetenzen erst sichtbar gemacht werden müssen. Viele Mütter wissen nicht, wie sie das, was sie täglich leisten, in berufliche Sprache übersetzen sollen. Was es braucht, ist Reflexion, um sich seiner Kompetenzen überhaupt bewusst zu werden und sie dann in eine Sprache zu übersetzen, die im Beruf gehört wird. Denn wie wir über Dinge sprechen, verändert, wie wir über sie denken.

Auf der anderen Seite müssen Unternehmen aufhören, Karenz als Unterbrechung zu behandeln. Oder noch schlimmer: als aktive Entscheidung gegen Karriere. Echtes Karenzmanagement, strukturierte Rückkehrgespräche und die bewusste Frage „Was bringt diese Person jetzt Neues mit?“ entscheiden darüber, ob eine Mutter nach der Karenz schnell wieder geht oder langfristig bleibt. Von dieser Bindung profitieren beide Seiten.

Solange Soft Skills informell erworben und strukturell nicht erfasst werden, bleibt das Potenzial einer ganzen Gruppe hochqualifizierter Fachkräfte systematisch unsichtbar. Das ist kein sozialpolitisches Problem allein, es ist ein wirtschaftliches.

Was ich mir für uns alle wünsche

Ich habe diese Masterarbeit nicht gemacht, um eine Studie in die Welt zu stellen.

Ich habe sie gemacht, weil ich glaube, dass wir aufhören müssen, Elternschaft als Pause zu behandeln. Als etwas, das man erklärt und rechtfertigt. Als Lücke.

Elternschaft ist Entwicklung. Intensive, manchmal chaotische, aber echte Entwicklung.

An Unternehmen und HR-Teams: Schaut auf Mütter nicht als Randgruppe, die integriert werden muss. Schaut auf sie als Fachkräfte mit einem Kompetenzprofil, das ihr aktiv nutzen könnt. Schafft die Strukturen dafür.

An alle Mütter: Eure Erfahrungen zählen. Was ihr in den letzten Jahren gelernt, entwickelt und geleistet habt, hat einen beruflichen Wert. Ihr müsst euch nicht rechtfertigen. Aber ihr dürft und solltet lernen, es sichtbar zu machen.

Denn Elternschaft hat euch kompetenter gemacht. Es ist Zeit, das auch so zu sagen.

Genau da setze ich an.

Mit Gattringer Coaching & Consulting begleite ich Mütter dabei, ihre Elternkompetenzen zu erkennen, in berufliche Sprache zu übersetzen und selbstbewusst sichtbar zu machen, im Lebenslauf, im Gespräch, im Job. Parallel dazu berate ich Unternehmen und HR-Teams, die das Potenzial von Eltern strukturell nutzen wollen. Von der Potenzialanalyse bis zum Karenzmanagement.

Weil ich überzeugt bin: Elternkompetenzen sind kein Nice-to-have. Sie sind ein Wettbewerbsvorteil.

FRANZISKA GATTRINGER

Franziska Gattringer, MBA, ist Business Coachin, Unternehmensberaterin und Gründerin von Gattringer Coaching & Consulting e.U.

Ihre Masterarbeit „Die Bedeutung elterlich erworbener Soft Skills von Müttern für die Arbeitswelt 4.0“ (FH Burgenland, 2025, N=254) ist die empirische Grundlage ihrer Arbeit.

Sie begleitet Mütter dabei, ihre Elternkompetenzen sichtbar zu machen, und Unternehmen, diese Kompetenzen strukturell zu nutzen.

www.gattringer-coaching.at

 

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